Distribution Center 4.0 – digitalisierte Logistikinfrastruktur

Die Digitalisierung der Intralogistik hält auch Einzug in die entsprechenden Infrastruktureinrichtungen. Automatische Logistiksysteme, die miteinander vernetzt sind und einen durchgehenden Datenaustausch von Wareneingang, Einlagerung, Auslagerung, Kommissionieren, Verpacken, Verladen und Transport von Waren gewährleisten, gewinnen für die Sicherstellung einer Just-In-Time-Logistikkette ganz wesentlich an Bedeutung.

Vernetzung von Lager- und Regalsystemen als Mittel der Effizienzsteigerung und Kostensenkung

Zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung ist es für Unternehmen unerlässlich, die Lager- und Regalsysteme derart zu vernetzen und zu automatisieren, dass selbständige Bestandshaltung und Bewirtschaftung ausgelöst werden können. Für ein erfolgreiches Bestehen im Wettbewerb im Bereich der Intralogistik, Lagerhaltung und Kommissionierung von Waren ist eine Reduktion von Durchlaufzeiten Kernerfordernis und gleichsam -anforderung für Unternehmen. Hiermit verbunden sind auf der anderen Seite valide Wachstumspotentiale: Nach Schätzungen des VDMA wird die Logistikbranche allein in diesem Jahr ein Wachstum von drei Prozent erfahren und ähnliche Wachstumsraten sind der Prognose nach auch in den kommenden Jahren zu erwarten.

Selbstfahrende Schlitten in Regalsystemen, unbemannte Transportflurförderfahrzeuge und eine lagerflächeneffiziente Nutzung von Logistikinfrastrukturen ist ohne Digitalisierung und softwareseitige Vernetzung nicht denkbar. Für die Kommunikation zwischen Produkten und (Lager-)Anlagen sowie im Hinblick auf die damit verbundenen, immer größeren Volumina an Datenströmen sind Investitionen in die IT-Infrastruktur ein wesentlicher Bestandteil für eine moderne Lagerhaltung 4.0.

Echtzeitdatenströme und digitale Logistik-Kollaboration

Echtzeitsysteme, Big Data und Künstliche Intelligenz Plattformen (AI Platforms) reduzieren Systembrüche und Engpässe in Lager und Transport und verbinden dadurch auch Kooperationspartner immer effizienter. Die Einbindung von Logistikzentren in Smarttrackingsysteme und Transportmanagementplattformen – weit überwiegend inzwischen cloudbasiert – ist die Basis für digitale Prozessoptimierung in Lagerhaltung und Transport. Minimierte Fehlerquoten und Transportkosten sorgen für eine optimale Auslastung im Lager und tragen gleichzeitig zu erhöhter Transparenz und reibungsloser Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten bei.

Für diese Interaktion sind Standards und Standardisierung in Datenformaten und Schnittstellen unerlässlich.

Rechtliche Herausforderung für digitale Logistikinfrastrukturen

Gleichzeitig stellen sich rechtliche Herausforderungen sowohl an die Vertragsgestaltung, den Einsatz von proprietärer oder Open-Source-Software, den Datenschutz bei der Speicherung von Logistikinformationen, insbesondere auch mit Kundenbezug als auch in Bezug auf die Haftung bei Fehlauslieferung und Sendungsverlust aufgrund vorgelagerter Logistikprozesse.

Auch im Bereich der Nachorderung und Lagerbestandshaltung mittels M2M-Kommunikation, dem autonomen Vertragsschluss durch Maschinen, sind völlig neue Rechtsfelder betroffen.

Im Bereich des Echtzeit-Monitoring sowie der Datenerfassung und -auswertung zur Optimierung von Transportprozessen (Big Data) stellen sich Fragen des Dateneigentums und geistiger Eigentumsrechte gleichsam wie datenschutzrechtliche Anforderungen an den Einsatz solcher Systeme.

Neben der eigentlichen Intralogistik ist in der Lagerhalle 4.0 auch die Möglichkeit des „Predictive Maintenance“, also eine vorausschauende Planung von Wartungsprozessen und entsprechenden Wartungsprognosen für die Logistikanlagen und Förderfahrzeuge, ein wesentlicher Faktor der Kosteneffizienzoptimierung. Insbesondere an Anlagen bei denen Mitarbeiter Arbeitsschritte durchführen, wie zum Beispiel Kommissionierung oder aber Beladung und Abtransport, kommen neben den vorgeschriebenen datenschutzrechtlichen Aspekten auch arbeitsrechtliche Fragestellungen zur Anwendung. Denn durch sensorische Auswertungen an solchen von Mitarbeitern geführten Anlagen werden bei „Predictive Maintenance“ im Regelfall auch Mitarbeiterdaten erfasst und damit eine Leistungskontrolle sowie Überwachung von Mitarbeitern ermöglicht.

Schließlich ist bei cloudbasierten Logistikplattformen (Software-as-a-Service) und der Einbindung der Logistikinfrastruktur die gesamte Palette des IT Vertragsrechts in Bezug auf die Verfügbarkeit von Daten, den Datenverlust, Auftragsdatenverarbeitung und Datensicherheit zu berücksichtigen.

Wachstumspotentiale nutzen und rechtlich absichern

Auch wenn rechtliche Herausforderungen mit der Digitalisierung der Logistikinfrastruktur verbunden sind, so überwiegen doch ganz wesentlich die Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungspotentiale, zumal auch die Digitalisierung der Logistik ein erklärtes politisches Ziel der neuen Bundesregierung darstellt, wodurch hier auch eine entsprechende politische Unterstützung zu erwarten ist. Die rechtliche Absicherung der Realisierung dieser Wachstumspotentiale ist wesentlicher Bestandteil der Planung und Umsetzung einer Unternehmensstrategie zur digitalisierten Logistikinfrastruktur, um Infrastrukturen der Logistik 4.0 sowie die Vernetzung der gesamten Logistikkette effektiv und rechtssicher nutzbar zu machen.